Ist die tamilische Diaspora dafür verantwortlich, dass der Krieg in Sri Lanka so lange dauerte und so grauenhafte Züge annahm?

Ist die tamilische Diaspora dafür verantwortlich, dass der Krieg in Sri Lanka so lange dauerte und so grauenhafte Züge annahm?
Das ist die Streitfrage, die der Anklage gegen die Führung der tamilischen Exilbewegung in der Schweiz zugrunde liegt. Der Prozess hat am 8. Januar 2018 in Bellinzona begonnen.
Vor 11 Monaten schrieb der Schweizer “Tagesanzeiger” dazu: „26 Jahre hat der Bürgerkrieg in Sri Lanka gedauert (…) Die Grausamkeiten endeten im Mai 2009 mit einer vernichtenden Niederlage der tamilischen Minderheit. Im selben Monat begann die Bundesanwaltschaft gegen Exponenten der Tamil Tigers zu ermitteln. Der Vorwurf: Mit Geld hätten Tamilen-Führer, die in der Schweiz leben, den Krieg in der Heimat verlängert und grausamer gemacht.“ (Tagesanzeiger, 8.02.2017)
Die Schweizer Bundesstaatsanwaltschaft hat dieser Darstellung nicht widersprochen. Wenn das Bundesstrafgericht in Bellinzona die Angeklagten schuldig spricht, hätte das beunruhigende politische Auswirkungen. Es würde den Tamilen selbst die Schuld am Vernichtungskrieg gegen sie geben.
Die Ausmaße des Massakers von 2009 lassen sich nicht vor der internationalen Gemeinschaft verheimlichen. Ein vom UN-Generalsekretär in Auftrag gegebener Report schätzt, dass über 70.000 Tamilen während dieser Monate getötet wurden. Aber ein Schuldspruch in Bellinzona wäre eine sehr starke Propaganda-Waffe in den Händen der Staatsmacht Sri Lankas und ihrer einflussreichen internationalen Unterstützer. In Zukunft könnten sie den Vorwurf eines völkermörderischen Angriffs auf die Tamilen damit kontern, dass es sich nach der Auffassung das Schweizer Gericht eher um einen Selbstmord der Tamilen handelte.
Wir werden dagegen kämpfen, dass ein derart groteskes Fehlurteil gesprochen wird. Während die Staatsanwaltschaft in Bellinzona ihr Beweismaterial ausbreitet, werden wir unsererseits das Beweismaterial dafür ausbreiten, wer wirklich für den Vernichtungskrieg gegen die Menschen in Tamil Eelam verantwortlich war. Zeitgleich mit den Berichten über die Gerichtsverhandlung werden wir auf unserer Website eine faktenbasierte Zeitleiste veröffentlichen, was zwischen 1999 und 2009 tatsächlich passierte, in Sri Lanka und außerhalb davon – in jenen 10 Jahren, auf die sich die Vorwürfe gegen die Angeklagten beziehen.
In den kommenden Wochen werden wir außerdem verschiedene Initiativen starten, an denen Sie teilnehmen und aktiv werden können. Bitte behalten Sie die Website im Auge!
Internationaler Menschenrechtsverein Bremen e.V.
08.01.2018